Die "Pinkelstadt" leidet unter Klo-Kapitalismus

Mainz - Wasserknappheit in der Großstadt ist ein Thema, das nicht unbedingt automatisch an einen Stoff für die Musicalbühne erinnert - und dennoch humorvoll und unterhaltsam in der neuen Produktion "Pinkelstadt" der Uni-Gruppe Musical Inc. dargeboten wird.

  • (Foto: dpa (Symbolbild))

Das Stück um die Nöte der Menschen, die aufgrund der Wasserknappheit nach der Klimakatastrophe keine eigenen Toiletten haben, nur gegen Bares ihr Geschäft verrichten dürfen und dagegen aufbegehren, lief zweieinhalb Jahre erfolgreich am Broadway in New York. Zurzeit wird in Mainz eifrig geprobt. Bis zur Premiere am 27. Mai im Hörsaal P1 auf dem Unigelände können die Studis noch an Darstellung, Tanz, Gesang und musikalischer Umsetzung feilen.

Auf der Bühne markiert eine grüne Tafel den Raum, der den Darstellern zur Verfügung steht. "Ihr müsst mehr nach vorne spielen und mit dem Publikum flirten", verlangt Regisseur Steffen Storck von der Gruppe, die vor einer imaginären Toilette Schlange stehen.

"Pinkelstadt" bietet alles, was ein klassisches Musical braucht: Helden und Heldinnen, Liebe und Hass, eingängige Melodien und Chöre, rasante Tanzszenen - und als Zugabe Klassenkampf und Freiheitsdrang, denn das arme Volk hat unter dem Zahlungszwang zu leiden, während der Klo-Kapitalist Werdmehr von Mehrwert die Gewinne einstreicht. "Es macht Spaß, mal den Bösen zu spielen", sagt von Mehrwert alias Benjamin Hertlein. Der Vorstandsvorsitzende des Uni-Vereins Musical Inc., bei dem etwa 40 Studierende mitmachen, erklärt, wie es zur Auswahl des ungewöhnlichen Stücks kam: "Alle dürfen Vorschläge machen, dann wird geschaut, was umgesetzt werden kann." Tabu sind aktuelle Filme und Musicals, die gerade in Deutschland laufen oder hier noch nicht uraufgeführt worden sind. Zudem müssen die Patentrechte geklärt sein, nicht jedes Stück darf von Amateuren aufgeführt werden.

Wie die musikalische Toiletten-Revolution, bei der es auch eine Geisel und einen wilden Mob gibt, ausgeht, will er nicht verraten. Der Gospelgesang im Mittelteil, den der Chor gerade beendet hat, klingt jedenfalls vielversprechend. Caroline Eva Gerner

Karten und Infos unter www.musicalinc.de

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