Wer ein Bedürfnis hat, wird abgezockt

Mainz - Man kennt das ja von der Fahrt auf der Autobahn: erst stundenlanges Innehalten, und dann auch noch Geld berappen für die Bedürfnisverrichtung. So ist das auch bei Klofrau Elfriede Fennichfux. Frei nach dem Motto "Jeder Strahl hat seinen Preis!" lässt sich die gestrenge Oberaufseherin den Besuch in der öffentlichen Bedürfnisanstalt Nr. 9 teuer bezahlen - und zieht damit den Groll der Notduft Verrichtenden auf sich.

  • (Foto: Bernd Eßling)

Nach den Erfolgsproduktionen "Rent", "3 Musketiere" und "Hair" bringt die studentische Hochschulgruppe Musical Inc. jetzt die bitterböse Sozialgroteske mit dem wohlklingenden Namen "Pinkelstadt" auf die Campus-Bühne. Das Broadwaystück spielt zwanzig Jahre nach einer großen Dürrekatastrophe.

Es herrscht akuter Wassernotstand, die Nutzung privater Toiletten und "Ausflüge in die Büsche" sind strengstens verboten. Wer sich erleichtern will, muss die öffentlichen "Bedürfnisanstalten" der Gesellschaft mit beschränktem Harndrang (kurz GmbHarn und Klo KG) unter Leitung des habgierigen Werdmehr von Mehrwerth (überragend: Stefan Dufleaux) aufsuchen - sonst droht die Ausweisung nach "Pinkelstadt". Das klingt dramatisch, doch Regisseur Steffen Storck hat die zynische Satire mit leichter Hand inszeniert.

Wenn das Ensemble zu Beginn des Musicals mit zusammengekniffenen Beinen um Einlass ins stille Örtchen fleht, während Elfriede Fennichfux (großartig gespielt von Johanna Hartmann) den aufrührerischen Mob mit der Klobürste in Zaun hält, bleibt kein Auge trocken.

Auch die wortreichen Schlagabtausche zwischen Wachtmeister Kloppstock (Henning Witte/Frederic Jenewein) und Klein-Erna (Sabine Fischer), bei denen auch schon mal verraten wird, was im weiteren Verlauf des Musicals geschehen wird, sorgen für Lacher.

Musikalisch überzeugt "Pinkelstadt" mit grandiosen Shownummern, zuckersüßen Liebesballaden und großer Orchestermusik. Die abwechslungsreiche Musicalpartitur der zehnköpfigen Band unter Leitung von Thomas Wagner, die ausgefeilten Choreografien von Carolin Stillger und die überragende Gesamtleistung der insgesamt vierzig Akteure machen gänzlich vergessen, dass hier eigentlich eine Laien-Musical-Gruppe auf der Bühne steht, die sich am Premierenabend zu Recht mit minutenlangen Standing Ovations feiern lassen durfte. Unbedingt ansehen!

Weitere Aufführungen finden noch statt am 31. Mai sowie am 1., 3., 4., 6., 7., 9. und 10. Juni, jeweils um 20 Uhr im P1 des Philosophicums der Universität Mainz. Vorverkaufsstellen sind die "Destille" (Pfandhausstraße 1), das Kulturcafé (Becherweg 5, Uni Mainz) sowie die Ticketbox (Kleine Langgasse 4). Onlinebestellungen sind unter www.musicalinc.de möglich.

Sabrina Schmidt

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