Wirtschaftskriminelle richten 200 Millionen Euro Schaden an

Mainz - Abzocke im Internet, Untreue oder Insolvenzverschleppung - schmutzig machen sich Wirtschaftskriminelle nicht. Aber sie richten mit ihren Machenschaften immense Schäden an - in Rheinland-Pfalz allein im Jahr 2009 knapp 200 Millionen Euro.

  • (Foto: dpa)

"Das ist mehr als die Hälfte des Gesamtschadens durch alle Straftaten", betont der stellvertretende Dezernatsleiter des Landeskriminalamtes (LKA), Klaus D. Wahl. Dabei machten die 5464 registrierten Wirtschaftsdelikte 2009 gerade einmal 1,9 Prozent des Kriminalitätsaufkommens aus. Ein großes Problem: Die Täter sind schwer dingfest zu machen.

"Der typische Wirtschaftskriminelle ist intelligent und muss ein Lebenskünstler sein, der schnell andere Menschen täuschen kann", erläutert Sachbearbeiter Kurt Sell. Man spricht auch vom "Täter mit weißem Kragen und Krawatte". Zu den spektakulärsten Verfahren in Rheinland-Pfalz der vergangenen Jahre zählt der Komplex City Solar: Weil er mehr als zehn Millionen Euro veruntreut hat, wurde im April 2010 der ehemalige Chef des Solarkraftwerkbauers zu sechs Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hatte er das Geld mit zwei Scheingeschäften aus dem Vermögen des inzwischen insolventen Unternehmens beiseitegeschafft.

Doch solche Verurteilungen sind laut Sell die Seltenheit. "Das liegt an der Komplexität der Sachverhalte - und das nutzen die Täter aus. Haben Sie schon mal erlebt, dass ein Wirtschaftskrimineller zu lebenslänglich verurteilt wurde?" Dabei sei der gesellschaftliche Schaden enorm. Wie etwa bei der sogenannten Abo-Falle, in die viele Bürger tappen. Damit zocken Betrüger Internetnutzer ab, indem diese durch ein kleines unscheinbares Kreuzchen ungewollt einen Vertrag etwa über ein einjähriges Abo für Computersoftware abschließen.

Bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz laufen pro Jahr rund 7000 bis 8000 Beschwerden zum Thema Internetabzocke auf, wie die Referentin für Telekommunikation und Medien, Barbara Steinhöfel, erzählt. Sie hat vor allem einen Rat, für alle, die in eine solche Falle tappen: "Auf keinen Fall bezahlen." Sobald der Verbraucher auf der Suche nach beispielsweise kostenfreien Routenplanern auf einer Internetseite seine Daten angeben soll, sollte er hellhörig werden. "Und die Seite genau nach einem versteckten Hinweis auf ein kostenpflichtiges Angebot durchschauen", betont Steinhöfel.

Da genau dies viele Kunden nicht tun, machen die schwarzen Schafe unter den Anbietern mit dieser Masche richtig Geld. "Es können schon mal bundesweit bis zu eine Million Geschädigte sein, aber man kann den Tätern kaum das Handwerk legen, weil sie sich in einer Grauzone bewegen", sagt Wahl. Das Phänomen dieser Abo-Fallen sei übrigens nur auf Deutschland begrenzt: "In anderen Ländern tauchen auf dem Bildschirm klare Warnungen auf."

Für das zu Ende gehende Jahr haben die Experten indes noch keine Zahlen zu Wirtschaftsdelikten im Land. Allerdings meint das Dezernat für Wirtschaftskriminalität: "Vor dem Hintergrund der globalen Wirtschafts-und Finanzkrise ist davon auszugehen, dass mit einem Anstieg insbesondere bei den Insolvenz- und Anlagedelikten gerechnet werden kann." Imke Hendrich

Drucken E-Mail Share
0 Kommentare

Artikel

0 Kommentare
+ Textgröße -
Drucken Facebook / Twitter
E-Mail Share
Share on Facebook Facebook
Share on MySpace Myspace
Share on Delicious MeinVZ
Share on Google Google
Share on Reddit Reddit
Share on Digg Digg
Share on Delicious Delicious
Share on Mister Wong Mister Wong

Artikel bewerten

1.0
1,0 (2 Stimmen)