51 Marmorkuchen werden zu Kunst

Mainz - Da stehen sie. In Reih und Glied aufgereiht auf einem Tapeziertisch. Andere sind hinter dem Tisch gestapelt, wie willkürlich dazu gestellt. Marmorkuchen, mindestens 30, 40 Stück.

  • (Foto: Harry Braun)

Der gesamte Ausstellungsraum der Kunsthalle duftet nach frisch Gebackenem. Installationskünstlerin Judith Samen will die Grenze zwischen Kunst und Leben ausloten. Mit ihren Kuchen, 51 hat sie in drei Wochen gebacken, zeigt sie eine "Performance ohne Publikum". "Ich habe diese Kuchen gebacken und sie hingestellt. Das hat für mich einen Wert", erklärt sie und fügt hinzu: "Die Zuschauer dürfen probieren. Das gestaltet das Bild mit." Samen unterrichtet seit diesem Jahr an der Mainzer Kunsthochschule und leitet die Klasse für Fotografie.

Sie ist eine von elf Lehrenden, die ab heute in der Ausstellung "The New Mainz School" ihre Werke in der Kunsthalle präsentieren. So unterschiedlich wie die verschiedenen Kunstrichtungen, ist auch die Ausstellung: Fotografie, Videoinstallationen, Malerei, Performance, Bildhauerei.

Der Titel "New Mainz School" sei mit einem Augenzwinkern zu verstehen, erklärt Winfried Virnich, Rektor der Kunsthochschule. Denn seit Oktober ist die ehemalige Akademie der bildenden Künste am Taubertsberg eine eigenständige Hochschule für Kunst mit neuen Zuständigkeiten. Die Kunstausübung ist eine der Hauptaufgaben der Lehrenden, erklärt Virnich. Das sei vom Land klarer Auftrag und in den vergangenen Jahren oft nicht sichtbar gewesen. Mit der Ausstellung wolle man ein Zeichen setzen: "Wir als Lehrende an der Kunsthochschule gehen stärker in die Öffentlichkeit. Die Kunsthochschule soll als kulturelle Institution in der Gesellschaft wirken."

Darüber hinaus gibt es an der Hochschule derzeit einen Generationenwechsel. Neben Judith Samen wurden in den vergangenen zwei Jahren vier weitere Künstler berufen.

Thomas Schmidts ovale Bilder zeigen Schlüpfriges: Höschen, gespreizte Frauenbeine und nackte Brüste. Doch die weiblichen Formen sind so übertrieben abstrahiert, dass die Motive sehr weich wirken. Die Bilder strahlen etwas Fröhliches aus und bilden damit einen starken Kontrast zu ihren pornografischen Motiven.

In einer Nische im zweiten Ausstellungsraum zeigt Heike Aumüller Videokunst. Die Multimedia-Künstlerin hat zwei Menschen gefilmt, die in einem alten Haus nebeneinander sitzen und sich mit nassem Ton erst maskieren und dann vom Matsch wieder befreien. Es wirkt grotesk, wie die beiden unbeholfen ihre Körper deformieren. Sie sitzen in einem Abrisshaus, in dem der Putz von den Wänden blättert und passen sich optisch ihrer Umgebung immer mehr an. "Klitsch, klatsch" tönt es aus den Lautsprechern. Es klingt, als würde sich jemand unter dem Wasserstrahl genüsslich vom Dreck befreien.  Andrea Wagenknecht

Die Ausstellung ist bis 31. Juli in der Kunsthalle zu sehen. Geöffnet: Di., Do., Fr. 10-17 Uhr, Mi. 10-21 Uhr, Sa., So. 11-17 Uhr. Die Kunsthalle ist an Feiertagen außer Pfingstmontag geöffnet. Führungen nur nach Anmeldung: Telefon 06131/126 936

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