7000 Jahre alte Böden als Weltretter

Mainz - Eine 7000 Jahre alte Technik könnte die erschöpften Böden rund um den Globus aufmöbeln und die Ernährung einer ständig wachsenden Weltbevölkerung garantieren. Mit dieser fantastisch klingenden These beschäftigt sich der Film "Rettung aus dem Regenwald? Die Wiederentdeckung der Terra Preta" des Mainzer Stadtschreibers Ingo Schulze.

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    Inmitten der Kaffeeplantage - Ingo Schulze (mit Hut) mit dem Kamarateam des ZDF in Brasilien.

    (Foto: ZDF)
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    Manchmal geht die Fortbewegung zu Wasser am schnellsten.

    (Foto: ZDF)

"Das ist die Schlüsseltechnologie unseres Jahrhunderts", zitiert Schulze den Wissenschaftler Ralf Otterpohl von der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Der 48-jährige Autor ist ins Gutenberg-Museum gekommen, um sein "Elektronisches Tagebuch" vorzustellen. Bei diesem 45-minütigen Streifen, den der Stadtschreiber jeweils in Zusammenarbeit mit dem ZDF dreht, haben ihn die Lektorin Christine Traber und Redakteur Thomas Hocke vom Sender unterstützt. "Das war ein Kampf mit dem Fernsehen, aber sicher auch mit der eigenen Unsicherheit", kommentiert Schulze die Arbeit an dem Dokumentarfilm.

Das Amazonasbecken galt lange als unberührte Wildnis, das Bild der Ureinwohner war von der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts geprägt. Erst in jüngster Zeit wurde diese Sicht korrigiert. Wissenschaftler fanden in der Region, die für ihren nährstoffarmen Boden bekannt ist, die Terra Preta, eine schwarze, höchst fruchtbare Erde. Bald wurde klar: Dies ist ein Kulturprodukt der alten Indios, doch das Wissen um ihre Herstellung schien verloren.

Forscher machten sich einerseits in den archäologischen Schichten, andererseits in den Labors und Gärten auf, um den Code der Terra Preta zu knacken. Einige, wie der Unternehmer Joachim Böttcher, glauben es geschafft zu haben. Er produziert mit der rheinland-pfälzischen Firma Palaterra bereits eine Version der Schwarzen Erde. Eine Mischung aus Holzkohle, Mineralien und Fäkalien gilt als Grundlage der Terra Preta.

Schulze und sein Team lassen in ihrem Film vor allem Fachleute wie Böttcher oder Otterprohl zu Wort kommen. "Wir haben ein paar Fragen notiert und damit unsere Protagonisten gequält", erläutert der Stadtschreiber. "Wir hatten nicht den Anspruch, ein Kunstwerk zu machen, aber schon etwas, das relevant ist." So kommt dieses "Elektronische Tagebuch" filmisch eher schlicht daher. Was mitreißt, ist die Kernthese vom ungeheuren Wert der Terra Preta für die Welt.

"Ich wusste, dass die Böden in Afrika oder Asien ein Problem sind, aber ich hätte nicht gedacht, dass auch in Deutschland die Verödung so dramatische Ausmaße angenommen hat", meint Schulze in der Diskussionsrunde nach dem Film. Terra Preta kann ein Ausweg aus der Misere sein, und Schulze will einen Teil dazu beitragen, dass sich die Idee von der schwarzen Erde verbreitet.

Schade nur, dass gerade mal 40 Gäste den Weg ins Museum gefunden hatten. Schade auch, dass der Film im ZDF erst nach Mitternacht läuft. "Wir sind todunglücklich", kommentiert der Schulze diesen späten Sendetermin. Gerd Blase

"Rettung aus dem Regenwald? Die Wiederentdeckung der Terra Preta" sendet das ZDF am Freitag, 11. November, 0.30 Uhr.

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