Achterbahnfahrt zwischen Himmel und Hölle

Mainz - Am Anfang stand der Plan. Der Plan einer Arche Noah im Originalmaßstab als Begegnungs- und Kongresszentrum. Und damit das Ganze möglichst viele Besucher anlockt, sollte ein ganzer Bibel-Themenpark drum herum gebaut werden. Ausgedacht hat sich dies die schweizerische Genesis-Land AG. Mann dahinter ist Luca Carigiet, der Vorsitzende des Vereins Pro Genesis. Entstehen sollte das Ganze in Babenhausen, zwischen Aschaffenburg und Dieburg.

Dort hatte man sich ein altes Kasernengelände ausgeguckt, um das Großprojekt realisieren zu können. Immerhin rund 45 Hektar Fläche hätte das religiöse Disneyland verschlungen. Kosten, je nach Quelle zwischen 80 und 140 Millionen Euro. Wie intensiv die Stadt mit dem Genesis-Land AG flirtete, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Während ein Mitarbeiter des Bauamts auf MRZ-Nachfrage sagt, die Stadt habe das Projekt "in keiner Weise ernsthaft verfolgt", sind die Schweizer nach MRZ-Informationen zumindest einmal bei der Stadtspitze vorstellig geworden. Doch die hatte scheinbar mit der Fläche schon andere Pläne, 600 angedachten Arbeitsplätzen zum Trotz. Auf der Internetseite www.genesis-land.ch wird der Park aufwendig animiert vorgestellt. Neben der Arche-Nachbildung könnte die "Altstadt von Jerusalem" mit Shops und Cafés ebenso entstehen, wie eine 360-Grad-Kinokuppel zu den Aposteln, "Israel en miniature" oder eine große Gewächshauskuppel mit einer Nachbildung des Gartens Eden. Für ein sintflutartiges Erlebnis eine Wasserachterbahn sorgen, für echte Endzeitstimmung eine "Himmel-und-Hölle-Bahn".

Stephan Krebs, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) findet die Idee auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt. "Das kommt sehr professionell daher", sagt er, nachdem er sich für die MRZ die Internetseite angeschaut hat. "Auf diese volkstümliche Weise Bibel anzubieten ist zunächst mal klasse", findet er. Ein Freizeitpark sei das eben, ähnlich dem Europapark in Rust. Doch "statt Europa gibt es eben Bibel", so Krebs. Allerdings ist er skeptisch, ob ein Themenpark, der sich nur mit dem Thema Bibel beschäftigt, wirklich genügend Anziehungskraft hätte, um jedes Jahr die benötigten 600 000 Besucher anzuziehen. Aber: die Rheinschiene und der Ballungsraum Rhein-Main, eventuell zusammen mit dem Raum Rhein-Necker böten sicherlich einwohnermäßig genügend Potenzial.

Für Krebs stellt sich jedoch die entscheidende Frage, wie theologisch stimmig das ist. "Das muss theologisch reflektiert sein", sagt Krebs.

Und daran könnte man Zweifel bekommen, wenn man sich die Seite des Vereins Pro Genesis anschaut. Dort heißt zum Grundgedanken der Gruppierung: "Die Evolutionstheorie ist bis heute unbewiesen." Außerdem sieht Pro Genesis die "Bibel als historisch relevanten Tatsachenbericht." Was damit genau gemeint ist, war auf Anfrage nicht zu erfahren. Bis zum neuen Jahr macht der Verein Urlaub, sagt der Anrufbeantworter. Andreas Nöthen

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