Filmz: Der Stummfilm-Graf an der Kirchenorgel

Mainz - Der Graf sitzt an der Orgel, rechts neben ihm sein Laptop, links steht ein Cemablo, das er vor ein paar Stunden auf dem Müll gefunden und schnell repariert hat. Carsten-Stephan Graf von Bothmer gilt als der erfolgreichste Stummfilm-Musiker in Deutschland, in der Altmünsterkirche bespielt er im Rahmen von "Filmz" auf Einladung der Festivalleitung zwei Stummfilme des großen Ernst Lubitsch live.

  • Carsten-Stephan Graf von Bothmer untermalt die Stummfilme mit seiner Musik - und garantiert ist kein Abend wie der andere.

    (Foto: Harry Braun)

"Das ist heute eine Premiere für mich, zum ersten Mal zeige ich Komödien in einer Kirche und begleite sie an der großen Orgel", sagt er. Das bereits erwähnte Cembalo will er spontan in seine Performance einbinden, auf der Brüstung der Orgelempore liegt auch noch eine Mundharmonika, vielleicht kommt auch sie zum Einsatz. Da er mit dem Rücken zum Altarraum sitzt, wo auf großer Leinwand die Lubitsch-Filme projektioniert werden, filmt er die Leinwand ab und überträgt sie auf seinen Laptop.

Idealismus, Leidenschaft und Kreativität befeuern den Graf. Er definiert sich selbst als "Stummfilm-Enthusiasten", und das merkt man ihm auch an wenn er von seinen Projekten spricht. In Berlin nahm alles seinen Anfang, dort spielte er teilweise über einhundert Film-Konzerte pro Jahr, insgesamt hat er weit über 50.000 Zuschauern die Kunstform "Stummfilm" näher gebracht. "Meine Projekte haben sich weiterentwickelt, und inzwischen werde ich sogar von der selben Konzertagentur vertreten wie Lang Lang." Daher spielt er jetzt nur noch die Hälfte der Konzerte, aber das vor größerem Publikum in den etablierten Konzertsälen. Nach Manila und durch Südamerika hat ihn seine Kunst schon gebracht, ein weltweiter Botschafter seiner geliebten Stummfilme.

Maßgeschneidert für seine Zwecke hat er ein eigenes Instrument entwickelt, "Cine-Tronium" nennt er es, eine Keyboardburg, die sogar ein Manual des legendären Trautonium vorzuweisen hat. Den Filmen nähert er sich auf verschiedenen Richtungen an, analysiert ihre Bedeutungs-Ebenen genau, bevor ihm die passenden musikalischen Improvisationen dazu in den Sinn kommen. "Wenn ein Film ein Traum wäre, was würde er bedeuten?", sagt er. Nicht immer kann er dann die von ihm gefundenen filmischen Ebenen gleich bespielen, das hängt unter anderem von seiner eigenen Tagesform und auch den Reaktionen des Publikums ab, die er spürt und auf die er spontan reagieren kann. So entsteht jedes Mal ein Unikat, keine Performance gleicht der anderen.

Die Mainzer Aufführung ist für ihn eine Feuertaufe. Demnächst will er in noch größerem Rahmen erneut eine Komödie in einer Kirche zeigen, diese dabei mit einer noch größeren Kirchenorgel live vertonen: "Laurel und Hardy" im Berliner Dom. Toi, toi, toi!

Von unserem Mitarbeiter Dominic Schreiner

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