Am Kopftuch scheiden sich meist die Geister

Mainz - Die Trennung von Männern und Frauen und immer wieder das Kopftuch:

    Diese Themen brannten den knapp 50 Schülern am meisten auf den Nägeln bei den "Erzählcafés", für die vier Frauen der Frauengruppe der muslimischen Reformgemeinde "Ahmadiyya Muslim Jamaat" aus der Mainzer Neustadt in die Schule gekommen waren, um aus ihrem Leben und speziell ihren Erfahrungen im Berufsleben zu erzählen. Der Abend bildete den Auftakt eines Projekts, bei dem rund 200 Schüler der Berufsbildenden Schule ein ganzes Schuljahr lang über intensive persönliche Kontakte Gemeinsames und Trennendes verschiedener Kulturen entdecken sollen - speziell in Islam, Juden- und Christentum.

    "Gerade an einer Berufsbildenden Schule hat das Lehrerkollegium immer ein Auge auf Konflikte, die in einer multikulturellen Gesellschaft möglich sind", sagt Projektleiter und Klassenlehrer Michael Pein. Natürlich seien auch in der Schülerschaft Vertreter unterschiedlicher Kulturen vertreten, ergänzt Deutschlehrerin Eva-Maria Lukas. "Aber es gibt keine echte Begegnung abseits vom Unterricht."

    Nicht Daten und Fakten über andere Religionen und Kulturen wollen deshalb die vier beteiligten Lehrer im Projekt vermitteln. "Es geht um Erfahrungen, Lebensgeschichten", sagt Pein. Diese sollen Vertreter anderer Kulturen erzählen - in Veranstaltungen wie dem Besuch der Ahmadiyya-Gemeinde in der Schule, in einem "narrativen Interview" mit dem italienischstämmigen katholischen Hausmeister, im Gespräch mit eigenen älteren Verwandten am Familientisch. "Die aufgezeichneten Gespräche werten wir im Deutsch-, Religions-, Ethik- und Sozialkundeunterricht aus", berichtet Pein. Die Ergebnisse verarbeiten die Schüler dann in einer Präsentation.

    Die Lebensgeschichten der vier Ahmadiyya-Vertreterinnen jedenfalls beeindruckten die Schülerinnen. "Sehr positiv überrascht, dass die Religion nicht nur schön geredet wurde ", zeigte sich etwa die 18-jährige Gündüz Goncanur, selbst Muslimin, aber keine Kopftuchträgerin. Schließlich hatten die vier Rednerinnen ausdrücklich betont, dass sie ihr Kopfhaar freiwillig verhüllen. Und die Versicherung, dass dieser Abend nur wegen eines Missverständnisses aufgeteilt in eine Männer- und eine Frauengruppe stattfand, ließ auch kritische Stimmen darüber verstummen.

    Diese Toleranz passt freilich vortrefflich zu dem Ziel der überregionalen Herbert-Quandt-Stiftung, "über die interkulturelle Kompetenz die freiheitliche und solidarische Gesellschaft zu stärken", wie Stiftungsvertreter Niels-Holger Schneider betonte. Die Chancen der BBS, bei deren Schulwettbewerb "Trialog der Kulturen" einen Preis zu gewinnen, dürften entsprechend nicht schlecht stehen.

    Von unserer Redakteurin Brigitte Specht

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