Mainz - Mit eintausend Besuchern bei der Abschluss-Party in der Mainzer Phönix-Halle ging die "Stadt der Wissenschaft" zu Ende.
Die dreijährige Leora bekommt von ihrer Mama das Gedicht "Das Mädchen Anna Blume" von Kurt Schwitters vorgelesen. Etwas unkonzentriert wirkt sie, was bei einem Dada-Text auch nicht wirklich verwundert. Im Anschluss soll sie auf einer Schiefertafel einen Vogel malen - heraus kommt dabei ein Fisch. Auch gut.
Leora ist somit Teil des Lyriklabors geworden, eines von vielen Projekten der "Stadt der Wissenschaft", die sich Samstag bei der großen Abschluss-Party im Seitenschiff der Phönix-Halle präsentieren. Auch wenn das Bild von Leora nicht den Anforderungen an die Teilnehmer des Lyriklabors genügt, bekommt sie trotzdem großes Lob von Lena Wolf.
Gedichte aus acht Jahrhunderten
Die Germanistikstudentin ist von Anfang an beim Lyriklabor dabei. In dem interdisziplinären Projekt haben Studenten der Innenarchitektur von der Fachhochschule Mainz gemeinsam mit Studenten des Deutschen Instituts der Universität Mainz Gedichte aus acht Jahrhunderten erkundet, mit ihnen wissenschaftlich und künstlerisch experimentiert und sie letztlich in interaktive Installationen umgesetzt.
"Es war eine sehr spannende Zeit", sagt Wolf, "ich konnte an verschiedenen Projekten mitarbeiten, habe einen Einblick in den Studiengang Innenarchitektur gewonnen und kann nur betonen, dass mir das Wissenschaftsjahr persönlich viel gebracht hat". Auch Kerstin Rüther, neben Susanne Maier-Staufen eine der beiden Projektleiterinnen des Lyriklabors, zieht eine positive Bilanz : "Im nächsten Jahr veranstalten wir ein einwöchiges Festival, bei dem Kunst und Wissenschaft wieder aufeinander treffen. Das ist die direkte Folge aus dem Wissenschaftsjahr", strahlt sie.
Mit den Projekten skop, Moving Types, Spektrale und einigen anderen sind die Leuchtturmprojekte der "Stadt der Wissenschaft" alle vor Ort und bieten verschiedene Möglichkeiten, Wissenschaft zu erfahren und anzufassen. Barrieren zwischen Wissenschaft und Besucher gibt es keine.
Raus aus dem Elfenbeinturm
Das sieht auch Ministerin Doris Ahnen so. " Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Innenstadt" sei die Wissenschaft im Laufe des Jahres gegangen. Auf der Bühne im großen Saal werden Komplimente verteilt, an die Macher, die Politiker und die Sponsoren. OB Jens Beutel zeigt sich vom besonderen Enthusiasmus der Macher begeistert: "Unsere Erwartungen sind nicht nur erfüllt, sondern übertroffen worden".
Zwischendurch singt ein Chor "Stille Nacht", ZDF-Nachrichtensprecherin Gundula Gause betont, dass ihr freiwilliges Engagement bei der "Stadt der Wissenschaft" eine Frage der Ehre gewesen sei, schließlich ist sie ja bekennende und glückliche Mainzerin. Kuschelige Wohlfühlatmosphäre kurz vor Weihnachten.
Im weiteren Verlauf des Abends wird es dann auch noch fetzig. Das "Bourbon Street Orchestra", die jungen Wilden des Peter-Cornelius-Konservatoriums, groovt die Phönix-Halle mit sattem Blechbläsersound. Das "placebotheater" sorgt mit Improvisationstheater für Lacher im Publikum, und auch auf der Bühne im Seitenschiff vermischen sich Wissenschaft und Kultur zu einer unterhaltsamen Cuvée. So geht mit der Party ein erfolgreiches Jahr zu Ende. Mainz war eine würdige "Stadt der Wissenschaft".
Dominic Schreiner