Forschung ist nicht nur für die Elite: Mainzer interessiert

Mainz - Da staunt sogar die Wissenschaft: 71 Prozent der Mainzer haben schon davon gehört, dass Mainz in diesem Jahr „Stadt der Wissenschaft“ ist. Genauso viele können sich vorstellen, „ganz sicher“ oder „wahrscheinlich“ an Veranstaltungen in diesem Rahmen teilzunehmen. Das ergab eine repräsentative Telefonumfrage der Institute für Publizistik und Politikwissenschaft an der Universität.

  • Mainz wird "Stadt der Wissenschaft 2011"

    Unter dem Motto "Mainz leidenschaftlich wissenschaftlich. Stadtlandschaft voller Kreativität" konnte Mainz die Jury im vergangenen Jahr in Berlin überzeugen. Jetzt wird der Nachfolger in Mainz ausgewählt.

    (Foto: Harry Braun)

Die Infokampagne mit dem Slogan „e = MZ2“ habe gut gewirkt, folgert Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). Er freue sich über „das hohe Maß an Identifikation mit dem Projekt“, das allein im ersten Halbjahr mit 320 Veranstaltungen aufwartet.  Beim Image als Wissenschaftsstandort ist noch Luft nach oben. Die Zustimmung zu der Aussage „Mainz hat ein besonders wissenschaftsfreundliches Klima“ rangiert auf Platz fünf einer Rangliste, die angeführt wird von „besonders lebensfrohes Klima“ und „außergewöhnlicher Fußballverein“. Allerdings: Auch der Satz „Mainz ist im Grunde ziemlich provinziell“ findet eher Zustimmung.

Nicht nur sogenannte Bildungsbürger interessieren sich für Wissenschaft in Mainz. 63 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss haben "ganz sicher" schon von dem Projekt gehört, 58 Prozent wollen "sicher" oder "wahrscheinlich" an Veranstaltungen teilnehmen.

Moderne Meinungsforschung soll die "Stadt der Wissenschaft" ganz Jahr und darüber hinaus begleiten. Dazu werden 800 Mainzer in vier Befragungswellen am Telefon interviewt. Federführend ist das Institut für Publizistik an der Universität unter der Leitung von Prof. Gregor Daschmann zusammen mit den Politologen unter Prof. Jürgen W. Falter.

Nicht-Akademiker haben bestimmte Erwartungen an Mainz als Stadt der Wissenschaft: Das Ziel, den Zugang zu Arbeitsmärkten der Zukunft zu öffnen, findet unter Hauptschulabsolventen die höchste Zustimmung, gefolgt von mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung. Letzteres ist übrigens auch für die befragten Frauen das wichtigste Ziel. Publizistik-Professor Daschmann sieht darin klar die "Erwartung, dass Wissenschaft aus ihrem Elfenbeinturm herauskommt und der Stadt und ihren Bürgern nützt".

Negative Vorurteile gegen Wissenschaft und Forschung finden nur wenige Anhänger. Fast 100 Prozent glauben, dass wissenschaftliche Erkenntnisse Leben retten, 85 Prozent finden, der Staat solle sie stärker fördern. Gänzlich desinteressiert äußern sich nur elf Prozent, 13 Prozent halten Forschungsergebnisse für "graue Theorie".

"Die Ergebnisse sind fast zu positiv", scherzte Universitätspräsident Georg Krausch, man wisse gar nicht, ob sie noch steigerbar seien. Da bisher nur Erwartungen abgefragt werden konnten, könnten der späteren Befragung nach dem Ende des Wissenschaftsjahres bestimmte Werte heruntergehen, etwa die tatsächliche Beteiligung.

Das Prädikat "Stadt der Wissenschaft" wurde Mainz vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verliehen. Das Budget beträgt 2,1 Millionen Euro.Claudia Renner

Das Programm gibt es unter  www.emz2.de

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