Mainz - „De Zoch kütt!“, zu Deutsch: „de Zuuch kimmt“. Schon als Kind hab‘ ich gelernt, dass das kein Warnruf am unbeschrankten Bahnübergang ist, sondern einen Fastnachtsumzug ankündigt, den man in meinem Migrationshintergrundgebiet „Karnevalszug“ nannte. Besonders ekstatisch war der Ruf bei der Mutter aller Umzüge, dem Rosenmontagszug. Hier flogen riesige Mengen Kamelle (Süßwaren) und Strüßjer (Blumensträuße) und es roch nach Kölsch (Biersorte) und Päädäppel (Verdauungsprodukte von Pferden).
Heute ist es wieder so weit: Der Rosenmontagszug wälzt sich durch Mainz, Köln und, man muss es leider sagen, Düsseldorf. Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie der Name Rosenmontag entstanden ist. Manche behaupten, eine vom Papst im 11. Jahrhundert geweihte goldene Rose habe Pate gestanden, andere sagen, er leite sich von Kölsch „rosen“ für „rasen“ ab. Eine dritte Gruppe ist überzeugt, der Name leite sich von den rosafarbenen Gewändern ab, die die Priester im Mittelalter an einem Sonntag mitten in der Fastenzeit getragen haben. Das würde im übrigen die Ähnlichkeiten zwischen dem Rosenmontag und dem Christoper Street Day erklären.
Fest steht, dass der Rosenmontagszug ein Potpourri verschiedener Einflüsse ist. Zuunterst haben wir hier uralte heidnische Bräuche. Die Menschen vertreiben den Winter mit Masken und allerlei Lärm, den sie als Musik ausgeben, und versuchen die Götter der Fruchtbarkeit günstig zu stimmen (Schwellköppe!). Auf dieser Sedimentschicht haben sich christliche Rituale abgelagert. Die Gläubigen kasteien sich über Tage hinweg, martern sich mit rabiatem Schlafentzug und nehmen nichts als trockene Brötchen, fein gemahlene und in dünne Darmhäute verpresste Schweinereste und gegorenen Traubensaft zu sich, die in der Sprache der Liturgie „Weck, Worscht un Woi“ genannt werden. Dann sind sie geläutert für die Rosenmontagsprozession, bei der es Manna vom Himmel regnet.
Zu heidnischen und christlichen Elementen kommen Jakobiner und Französische Revolution. Im Triumphzug trägt das Volk Statuen des gestürzten Königs oder Präsidenten durch die Straßen. Diese Tradition ist heute besonders aktuell, hat doch Christian Wulff am Fastnachtsfreitag Zuflucht zu dem genommen, was schon viele Radfahrer gerettet hat: dem Rücktritt.
Büb Käzmann alias Markus Höffer-Mehlmer ist Kabarettist und lebt in Mainz (www.bueb-kaezmann.de)