Rheinland-Pfalz. Der Anspruch ist einfach benannt: Möglichst viele Lehrer in Rheinland-Pfalz sollen gesund und munter in Pension gehen. Die Realität sieht leider häufig anders aus: Immer mehr Pädagogen macht zunehmender Stress krank.
Um die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen, will das Land Rheinland-Pfalz ein Institut für Lehrergesundheit gründen. Das soll am 1. Januar 2011 an den Start gehen.
Zu Beginn werden acht bis neun Mitarbeiter an Bord sein, zumeist Fachärzte für Arbeitsmedizin, aber auch mindestens eine Psychologin, wie unsere Zeitung bei einem Gespräch im Bildungsministerium erfuhr. Später wird dann aufgestockt. Mittelfristig sollen insgesamt 17 Ärzte, Therapeuten und andere Fachkräfte im Einsatz sein.
Der künftige Leiter und heutige Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der Mainzer Universität, Stephan Letzel, freut sich auf die neue Aufgabe. „Wir werden aktive Gesundheitsförderung betreiben“, erklärt er. Dazu wollen die Mediziner nicht nur in Mainz als Ansprechpartner dienen, sondern an den Schulen in ganz Rheinland-Pfalz unterwegs sein. Ziel ist, pädagogischen Einrichtungen dabei zu unterstützen, auf die Gesundheit ihrer Lehrer zu achten.
Dabei müssen ganz konkrete Fragen beantwortet werden: Wie kann ich die Doppelbelastung von berufstätigen Frauen mindern? Oder: Wie lässt sich die Kommunikation im Lehrerkollegium verbessern? Katja Mehler, zuständige Referatsleiterin im Mainzer Bildungsministerium: „Lehrer leiden heute immer stärker darunter, dass sie sich als Einkämpfer fühlen.“
Das Thema Lehrergesundheit ist so vielfältig wie die passenden Konzepte dazu. Ein heißes Eisen sind besondere Belastungen im Ganztagsschulbetrieb. „Wenn eine Schule ihre Hausaufgabe macht, entsteht durch diese Schulform kein zusätzlicher Stress“, sagt der Arbeits- und Sozialmediziner Stephan Letzel. Will heißen: Die Lehrer bleiben zwar länger am Arbeitsplatz, können aber ihre Freistunden zum Austausch mit Kollegen, zur Unterrichtsvorbereitung oder zum Korrigieren von Klassenarbeiten nutzen. Insgesamt erhöhen sich die Stundenkontingente ja nicht.
Der Teufel liegt wie immer im Detail: Denn viele Lehrer beklagen mangelnde Rückzugsräume. Für ein ungestörtes Arbeiten wie zu Hause fehlen häufig einfach die passenden Arbeitsplätze. Ergo: Viele Lehrer legen nach Dienstschluss Extra-Schichten in den heimischen vier Wänden ein. Ein Problem, das von den Fachleuten im Bildungsministerium durchaus gesehen wird.
Insgesamt dient das neue Institut dazu, für genau solche Probleme ein Bewusstsein zu schaffen und nach praxisnahen Lösungen zu suchen. Und noch etwas: „Wir wollen auch die Forschung in diesem Bereich fördern“, erläutert Referentin Katja Mehler. Deswegen hat das Land sich bewusst für ein eigenes Institut entschieden und gegen eine Kooperation mit einem privaten Anbieter. „Das hat zudem den Vorteil, dass die Kommunikation von Institut und Bildungsministerium sehr eng sein wird“, so Expertin Mehler weiter.
Stephan Letzel denkt als designierter Leiter des geplanten Instituts schon weiter: „Das Thema psychische Belastungen muss den künftigen Lehrern bereits im Studium vermittelt werden.“ Seine Arbeit bedeutet daher immer auch ein Stück Lobby schaffen: für Lehrer, die möglichst lange Freude an ihrer Arbeit haben sollen.
Von unserem Redakteur Dietmar Brück
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