Wir hören häufig Klagen von Bürgern über unfreundliches oder zu wenig einfühlsames Verhalten von niedergelassenen Ärzten in Mainz. Lernen die angehenden Mediziner in ihrem Studium neben dem Fachwissen auch den richtigen Umgang mit Menschen?
Weil in Mainz die größte Ausbildungsstätte für Ärzte im Land ist, sprachen wir darüber mit Prof. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin und seit Juni Prodekan für Studium und Lehre.
Wie viele Studierende gibt in Mainz derzeit im Fach Medizin?
Wir haben eine große schöne vollmedizinische Fakultät, mit 2650 Studierenden im Fach Humanmedizin und 680 im Bereich Zahnmedizin.
Wie viele Lehrende unterrichten hier?
Neben den 108 Professoren vermitteln 1230 sonstige wissenschaftliche Mitarbeiter den Studierenden ihre Fachkompetenz.
Ist in einem Medizin-Studium der Umgang mit Patienten ein Thema?
In den ersten vier vorklinischen Semestern, in denen die Studierenden die Grundlagen lernen und noch keine Kontakte zu Patienten haben, wird ein hervorragender Kurs „Medizinische Psychologie“ angeboten, in dem die ärztliche kommunikative Kompetenz Thema ist. Und nach dem Physikum, wenn die Studierenden auf Patienten treffen, lernen sie durch ihre Aus- und Vorbilder im „bedside teaching“ und durch eigene Erlebnisse. Es gibt bei uns hervorragende Mediziner, die im Rahmen der Ausbildung immer wieder den menschlichen Umgang mit Patienten in den Mittelpunkt rücken. Dabei geht es nicht nur um normal nettes Miteinander, sondern zum Beispiel auch darum, wie man schlechte Nachrichten überbringt.
Soll das Thema innerhalb des Studiums intensiviert werden?
Ja, wir wollen ein „Studienhospital“ einrichten. Das müssen sie sich ähnlich vorstellen wie ein Simulationszentrum bei der Lufthansa. Die Studenten fühlen sich wie im Krankenhaus und üben mit Patienten, die von Schauspielern dargestellt werden, praktische Dinge wie Verband oder Gips anlegen, aber auch Gespräche. Wie bringt man einem Patienten bei, dass er nicht mehr lange lebt? Wie sagt man Eltern, dass ihr Kind gestorben ist? Wie kann man in solchen Situationen Trost spenden?
Was sagen Sie zu der Tatsache, dass sich Patienten oft über unfreundliches Verhalten vor allem niedergelassener Fachärzte beschweren?
Das hat, glaube ich, weniger mit der Ausbildung als mit der mangelhaften Kinderstube zu tun. Wenn man jemanden, der zu einem mit einem Anliegen kommt, noch nicht einmal freundlich begrüßt, dann ist das einfach schlechtes Benehmen.
Die Fragen stellte Irmela Heß