Mainz - Mit Ex-Außenminister Karl Theodor zu Guttenberg fing es an. Inzwischen sind auch FDP-Vorzeigefrau Silvana Koch-Mehrin und weitere Politiker ihren Doktortitel los, weil sie in ihrer Dissertation ohne Quellennennung abgeschrieben haben. Und nun noch der erste Mainzer Verdachtsfall - zwar nicht gegen eine Doktorarbeit an der Uni Mainz, aber gegen eine Ärztin der Mainzer Unimedizin. Trotzdem: Der Abteilungsleiter für Studium und Lehre, Dr. Bernhard Einig, glaubt nicht an ein Massenphänomen.
"Das sind Einzelfälle", sagt Einig im Gespräch mit der MRZ. Dennoch haben die Erfolge von Plagiatsjägern im Internet die Uni zusätzlich sensibilisiert: "Wir prüfen, inwieweit wir eventuell doch Software zur Plagiatsprüfung einsetzen." Obwohl Einig skeptisch ist: Untersuchungen der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin hätten ergeben, dass derzeit angebotene Programme nur einen Teil der Plagiate finden.
Sicherer ist laut Einig nach wie vor die persönliche Betreuung der Doktoranden. Da falle es schon bei einer Zwischenbesprechung auf, wenn im Text plötzlich der Stil wechselt. "Dann muss man es nur in Google eingeben und hat schon die ersten Treffer."
Der Ruf der Wissenschaft leide: "Vor allem der Fall Koch-Mehrin führt dazu, dass eine gewisse Mitschuld der Gutachter gesehen wird. Wenn da ein Generalverdacht entsteht, ist das ungut." Dabei werde übersehen, dass "in 99 Prozent der Fälle Betreuer und Doktoranden eine tolle, entbehrungsreiche Arbeit auf sich nehmen".
Einig kann sich dafür erwärmen, Doktorarbeiten anonym einzureichen und von externen Professoren begutachten zu lassen. Dem Verdacht wäre vorgebeugt, mangelhafte Dissertationen würden "durchgewunken".
Das Problem sieht Einig woanders: Etwa seit 2000 ist die Generation Internet an den Unis, aufgewachsen mit der Möglichkeit des mühelosen Kopierens. Ihnen müsse vermittelt werden, was der Schutz des Urheberrechts bedeutet und: "dass Verstöße sanktioniert werden." Aber findet man sie denn bei Tausenden von Seminar- und Abschlussarbeiten im Jahr? "Wir machen eher die Erfahrung, dass in grundständigen Studiengängen das aufmerksame Durchlesen von Arbeiten Standard ist", berichtet Einig. Aus diesem Bereich kämen die meisten Anfragen von Betreuern, die wissen wollen, wie sie mit Täuschungsverdacht umgehen sollen.
Regelungen dafür hat die Uni seit 2000 eingeführt und stetig präzisiert. Zum Beispiel mussten mehrere Studierende ein Proseminar wiederholen: Sie hatten in Hausarbeiten aus dem Internet abgekupfert und dafür ein "Mangelhaft" kassiert. Wer bei Diplomen oder Bachelor wiederholt zu täuschen versucht, verliert das Recht auf weitere Prüfungen und bleibt Studienabbrecher. "Da hatten wir schon Fälle, wo in der Magisterarbeit zweimal abgeschrieben wurde", so Einig. Auch das seien aber Einzelfälle. Claudia Renner