Felix Magath war shoppen

Mainz - Am Mittwoch ist die Sommer-Transferperiode 2011 geendet. Es ist überraschend ruhig geblieben auf dem deutschen Bundesligamarkt.

  • Einkäufer

    VfL-Coach Felix Magath.

    (Foto: DPA)

Die Wirtschaftsanalysten werden sagen: Erfreulich ruhig, denn das heißt, dass die Schulden produzierenden Last-minute-Panikkäufe weniger werden, was für ein seriöser werdendes Finanzgebaren in den Klubs spricht.

Eine Ausnahme machte wieder einmal Felix Magath. Nun ist das beim VfL Wolfsburg ja nie eine Frage des Geldes. Die Millionen aus dem Volkswagenwerk fließen. Seit Magath 2009 den Autoklub zum Deutschen Fußballmeister gemacht hat, liegen die VW-Vorstände dem deutschen Fußballayatollah zu Füßen. Magath kann in Wolfsburg, wie schon zu vor beim FC Schalke 04, machen was er will. Also frönt der allmächtige Trainermanagergeschäftsführermarketingleiterplatzwartzeugwartdruckpsychologe ungestört und unkontrolliert seinem liebsten Hobby: ein paar Spieler wegschicken und viele Spieler einkaufen.

Macht das Sinn?

Nicht immer erschließt sich der Sinn bei diesen wilden Transferaktivitäten. Nun hat Magath also den einst für 12 Millionen Euro gekauften Innenverteidiger Simon Kjaer nach Rom ausgeliehen. Der Däne ist 21 Jahre alt und ein unbeweglicher Hüne von 1,90 Metern, sein Stellungsspiel war lau und sein Passspiel ganz schlecht. Und wen holt Magath als neuen Abwehrchef: Sotirios Kyrgiakos, ein griechischer Weltenbummler, 32 Jahre alt, 1,93 Meter groß, unbeweglich, laues Stellungsspiel, ganz schlechtes Eröffnungsspiel. Die Frankfurter Eintracht war damals froh, als sich der viel Langholz schlagende Abwehrklotz freiwillig nach Athen zurückzog. Danach bekam Kyrgiakos einen Vertrag als Ersatzmann beim FC Liverpool. Magath hat ihn dort losgeeist. Warum? Das erschließt sich niemandem.

Flott den SSV genutzt

Und weil der große Wolfsburger Einkäufer mittlerweile mit dem von der Eintracht für viel Geld geholten Stopper Marco Russ schon nach wenigen Wochen nicht mehr zufrieden ist, hat er aus Frankfurt jetzt im Sommerschlussverkauf (SSV) auch noch schnell deren zweiten Innenverteidiger vom Krankenbett abgeworben: Chris, Brasilianer, 33 Jahre alt. Zweifellos ein glänzender Fußballer, aber seit Jahren ständig verletzt: Von 34 möglichen Saisonspielen hat Chris in den vergangenen Jahren jeweils nur 13, 10, 19, 29 und 7 absolviert. Ganz davon abgesehen: Eintracht Frankfurt ist in der vergangenen Saison abgestiegen mit Abwehrchef Russ.

Schauen wir auf die Spielmacherposition. Der an guten Tagen geniale Diego (26) musste weg. Da hat der VfL Wolfsburg mal so eben rund 25 bis 30 Millionen Euro verbrannt mit sämtlichen finanziellen Nebengeräuschen. Geholt hat Magath nun von der Tribüne des FC Barcelona den Weißrussen Aleksandr Hleb. Ein exzellenter Techniker und Tempodribbler, von dem bekannt ist, dass er an seinen vielen schwachen Tagen das Temperament einer Wanderdüne ausstrahlt. Wofür der schon 30 Jahre alte Hleb seit vielen Jahren sehr, sehr viel Gehalt fordert.

In Schalke hatte Magath in der Vorsaison die auf dem Weltmarkt unverkäuflichen Ali Karimi und Angelos Charisteas reanimiert. Da munkelten viele hinter vorgehaltener Hand: Entweder macht Magath befreundete Berater reich, oder er kassiert bei diesen Wundereinkäufen selbst mit. Wie gesagt, nur ein Gerücht. Das durch diese Wolfsburger Aktivitäten neue Nahrung erhält. Vielleicht aber hat Felix Magath auch einfach nur Spaß daran, die Leute zu verblüffen.  Reinhard Rehberg

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