Hoffenheim: Hat der reiche Onkel mit seiner Lärmkanone gedroht?

Hoffenheim/Mainz - Der von Mäzen Dietmar Hopp wirtschaftlich abhängige Bundesligist will sparsamer werden, aber so einfach ist das nicht. Der ja schon seit 1899 im Fußball tätige Bundesligadorfklub TSG Hoffenheim ist gerade wieder mal entlarvt worden als ein reines, von einem Mäzenaten abhängiges Retortenunternehmen.

  • Der schwerreiche Mäzen Dietmar Hopp weist den Weg. Foto: dpa

    (Foto: picture alliance / dpa)

Der Schachzug vom vergangenen Sommer, die Pauli-Kultfigur Holger Stanislawski, der darüber hinaus ein hervorragender Fachmann ist, als neuen Trainer zu verpflichten, war eine der besten Entscheidungen der Hoffenheimer seit Jahren. Doch die Zahlen holen den Klub immer wieder ein.

Kein Nachwuchs in Sicht

Ein Ausbildungsverein wolle die TSG sein, hieß es damals, als der Milliardär Dietmar Hopp im beschaulichen Kraichgau dieses ambitionierte Aufstiegsprojekt startete. Viele junge Spieler aus der teuer ins Leben gerufenen Nachwuchsabteilung sollten alsbald nicht nur in der eigenen Profimannschaft spielen sondern zügig auch den Stamm der deutschen Nationalmannschaft bilden, so posaunte das Hopp damals in die Fußballwelt. Seit dem Einzug in die Zweite Liga im Jahr 2007 haben die Hoffenheimer nicht einen einzigen eigenen Nachwuchsspieler ausgebildet, der im Profifußball Stammspieler wäre.

"Bundesanzeiger" hat gepetzt

Stattdessen ist in der Dorffirma mit Fremdspielern in einer Art und Weise gedealt worden, dass der Bundesligist ohne die immer wieder nachgeschobenen Finanzspritzen von Mäzen Hopp längst Pleite wäre. Das Amtsblatt "Bundesanzeiger" hat am Dienstag veröffentlicht, dass die TSG Hoffenheim in der Saison 2009/10 ein finanzielles Minus von 30 Millionen Euro produziert hatte, das Hopp mit einer milden Gabe von 28,9 Mio. kurzfristig ausgeglichen hat.

In jener Spielzeit waren die Ausgaben für Löhne und Gehälter explodiert, von 29 auf 40,5 Millionen. Und in neue Spieler hatte der Klub 20 Mio. investiert. Dass entsprechende Einnahmen niemals aus dem laufenden Fußballbetrieb (Zuschauer, TV-Geld, Sponsoring, sonstige Werbeeinahmen) zu erzielen sein würden, das wussten die damaligen Verantwortlichen um Manager Jan Schindelmeiser und Trainer Ralf Rangnick sehr genau.

Das Motto lautete: Wir wollen in der Bundesliga oben mitspielen - der "Alte" wird schon irgendwann wieder ein paar Millionen nachschießen. Und das war auch immer so geplant: Geschäftsführer Frank Briel bestätigte jetzt, dass diese 28 Mio. Hopp-Zuschuss schon beim Lizenzantrag ordentlich aufgeführt worden seien in den Unterlagen für die DFL.

Minus von 25,7 Millionen Euro

Seit dem Aufstieg in die Zweite Liga hat der Dorfklub insgesamt 72,5 Mio. Transferausgaben bilanziert; dem standen Einnahmen in Höhe von 46,8 Mio. gegenüber. Das ergibt ein Minus von 25,7 Mio. - alleine nur bei Transferaktivitäten, darunter auch dramatische Flops wie Zuculini, Maicosuel, Wellington oder Simunic. Ob da auch schon die horrenden Zahlungen an Spielerberater berücksichtigt sind - Roger Wittmann (Mannheim) soll sich etwa bei den Deals mit Carlos Eduardo gleich zwei goldene Nasen verdient haben in Hoffenheim - das wissen wir nicht.

Dietmar Hopp wird sparsam

Dietmar Hopp hat angekündigt, sein finanzielles Engagement stark zurückschrauben zu wollen. Zurückrudern sei aber jetzt nicht ganz einfach, hat der neue Manager Ernst Tanner längst verlautbart. Langzeitverträge mit teuren Spielern seien einzuhalten. Vielleicht hat der reiche Onkel Hopp ja gedroht: Entweder, es wird jetzt dramatisch gespart, oder ich stelle euch meine Lärmkanone in die Geschäftsstelle... Reinhard Rehberg

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