Comeback mit neuem Partner noch besser

2008 hatte Robert Sens seine Karriere als Leistungsruderer beendet. Mit drei Weltmeistertiteln und zwei Teilnahmen an Olympischen Spielen (2000 und 2004) im Buch wurde der Routinier Cheftrainer beim rheinland-pfälzischen Ruder-Verband mit Sitz in Mainz. Jetzt steht der 34-Jährige vor seinem dritten Olympiastart. Nicht als Trainer, sondern als Aktiver.

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    Der Mainzer Landestrainer Robert Sens (links) begann sein Comeback als Aktiver mit dem jungen Anton Braun im Boot. Foto: privat

    (Foto: privat)
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    Maximilian Munski (links) peilt nun mit Robert Sens London 2012 an. Felix Drahotta ist der neue Partner von Anton Braun. Foto: dpa

    (Foto: picture alliance / dpa)

Der Comebackversuch vor einem halben Jahr ist geglückt: Am Rosenmontag fährt Robert Sens als von Bundestrainer Ralph Holtmeyer bestätigtes vollwertiges Mitglied der deutschen Riemen-Nationalmannschaft mit ins Trainingslager nach Sevilla.

Sens hat als Rückkehrer eine zusätzliche Aufwertung erfahren. Der Mainzer Trainer fährt sitzt jetzt im Zweier ohne nicht mehr mit dem 21 Jahre alten Nachwuchsmann Anton Braun, sondern mit ungleich erfahreneren Maximilian Munski (24), der mit seinem bisherigen Partner Felix Drahotta 2011 WM-Sechster war und damit für diese Bootsgattung das olympische Startrecht erkämpft hatte. Das Ziel ist klar umrissen: Sens/Munski wollen bei den Olympischen Spielen 2012 in London im Zweier ohne an der Startlinie stehen.

Ohne Diskussionen ist dieser Partnerwechsel nicht abgegangen. Im ersten Trainingslager in Sabaudia/Italien im Dezember waren Anton Braun und Felix Drahotta erkrankt. "Bevor wir im Einer rumpaddeln, haben Max und ich uns gesagt, dass wir uns einfach mal zusammen ins Boot setzen", erzählt Sens. "Das hat dann sofort so gut funktioniert, dass auch Holtmeyer schnell gesagt hat, dass das jetzt erst mal so bleibt."

Zwei schnellere Boote

Die bisherigen Partner waren zunächst nicht begeistert. Doch inzwischen hat auch die neue Kombination Braun/Drahotta festgestellt, dass diese Zusammenarbeit fruchtet. "Beide Zweier sind schnell, alle vier profitieren von der neuen Konstellation", sagt Maximilian Munski, der aus Lübeck stammt, in Hamburg Kinderpädagogik studiert und jetzt öfter nach Mainz zum Training kommt. "Robert ist wesentlich wettkampferfahrener, das bringt mir sehr viel. Das passt einfach einen Tick besser als bisher mit Felix." Das Paar Sens/Munski blieb in zwei Trainingslagern in Sabaudia in sämtlichen Belastungen ungeschlagen.

In Sevilla will sich das Duo nun fit machen für den Qualifikations-Endspurt. Am letzten Wochenende im März kommt es in Köln zu einem Vortest. Zwei Wochen später steigt in Köln der wichtige Frühest. Dort müssen Sens/Munski mindestens der schnellste Zweier sein, der nicht im seit 2009 weltweit ungeschlagenen Deutschlandachter oder im Vierer ohne sitzt. Das ist die Aufgabe. Wenn das geschafft ist, dann müsste die Kombination Mainz/Hamburg noch bei den drei folgenden Weltcuprennen im Hinblick auf den großen Höhepunkt in London eine realistische Finalchance nachweisen.

"Druck auf dem Kessel"

Neuseeland ist im Zweier ohne das Maß aller Dinge, Großbritannien ist immer der Herausforderer, Italien hat bei Olympia Medaillenambitionen. "Dahinter ist alles offen", sagt Robert Sens. "Da ist international Druck auf dem Kessel. Aber wir sind gut, das spüren wir."

20 Spitzenathleten umfasst der Kader von Riemen-Bundestrainer Holtmeyer in Sevilla. Dazu gehört auch Sebastian Schmidt. Der zweimalige Weltmeister macht sich nach wie vor Hoffnungen auf eine Rückkehr in den Deutschlandachter. Sollte das nicht klappen, wird Schmidt London 2012 im Vierer ohne erleben, auch das ist eine interessante Herausforderung nach Rang fünf bei der WM 2011.

Robert Sens fühlt sich nach seiner langen Pause vom Leistungssport körperlich nach wie vor glänzend. 25 Kilogramm hatte der 34-Jährige im vergangenen Spätsommer abgespeckt. Auf dem Ergometer erreicht der Routinier mit deutlich weniger Aufwand heute bessere Werte als zu seinen Zeiten als Weltmeister. "Ich höre gut in mich hinein", betont Sens. "Ich achte sehr genau darauf, was an Belastungen zumutbar ist. Aber mein Körpersystem ist bis jetzt völlig in Ordnung."

"Ich profitiere enorm von Roberts Erfahrung", erläutert Munski. "Er weiß sehr genau, was im Training Hand und Fuß hat, was wichtig und was weniger wichtig ist. Wir passen als Typen sehr gut zusammen. Auch privat."

Reinhard Rehberg

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