Geschafft! Mainz 88 steht im Halbfinale

Ringen - Die Mainzer lagen sich in den Armen - Sportler, Trainer, Zuschauer. Es war geschafft. Die Ringer des ASV Mainz 88 haben das Halbfinale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft erreicht. Mit 20:15 gewannen sie auch den Rückkampf beim KSV Aalen.

    Der Optimismus der 88er war schon auf der Fahrt zur Höhle der Ostalb-Bären spürbar gewesen. Die Zuversicht steigerte sich bis zur Pause zu Euphorie. Denn schon da führten die Mainzer 10:7. Den Drei-Punkte-Vorsprung, den der ASV aus Mainz mitgebracht hatte, hatte er bereits verdoppelt.

    Gleich zwei Rechnungen der Aalener waren in den ersten fünf Kämpfen nicht aufgegangen. Sie waren von einem Sieg von Constantin Bulibasa im Fliegengewicht und von Ivan Nemeth im Halbschwergewicht ausgegangen. Doch gleich im ersten Kampf bekamen die Hoffnungen der Aalener durch den 3:0-Sieg von Tahir Zaidov einen herben Dämpfer. In der ersten Runde drehte Zaidov fast mit dem Gong Bulibasa durch. Im zweiten Durchgang gelang es dem Aalener in Oberlage nicht, Zaidov vom Boden zu bewegen. Im dritten Durchgang das gleiche Bild. Für die 88er war dies genau der Start, der dem Selbstvertrauen noch den entscheidenden Kick gab. Die erste Stufe der Rakete, die die Ostalb-Bären im Rückkampf zünden wollten, zerschellte gleich am Boden.

    Daigoro Timonchini hatte gegen Nemeth bislang immer verloren. Doch diesmal war der Aalener dran. Nur die erste Runde ging an den Einheimischen, weil Timonchini in der Oberlage keine Wertung gelang. Im zweiten Durchgang lief's genau anders herum. Den entscheidenden Punkt machte der 88er in der dritten Runde. Da gelang ihm die einzige Wertung dieses Kampfes. Das reichte zum 3:1-Sieg.

    "Als Daigoro gewonnen hatte, war mir klar, dass wir ins Halbfinale kommen", sagte Heinz Meyer. Das Vorstandsmitglied des ASV kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, als Sieg und Weiterkommen feststanden. "Eine solche Mannschaft ist traumhaft", sagte Meyer. "Da kann ich nur den Hut ziehen. Das geht nur mit einem solchen Team und einem solchen Trainer." Dem angesprochenen Baris Baglan war der Stolz über das Erreichte anzusehen. "Die Mannschaft hat ihren Charakter auf der Matte gezeigt", sagte der Mainzer Coach. "Wir sind überglücklich, dass wir die Aalener zweimal geschlagen haben, gerade weil sie uns alles abverlangt haben."

    Seyran Simonyan sorgte mit seinem 3:0-Sieg über den deutschen Meister Christian Fetzer für die Pausenführung. Davyd Bichinashvili machte nach der Unterbrechung mit einem 3:1-Sieg gleich weiter. Als George Bucur den bedauernswerten Julian Meyer nach 57 Sekunden der zweiten Runde schulterte und die erwarteten vier Punkte einfuhr, war die Entscheidung praktisch gefallen. 17:8 führten die 88er. Die drei Punkte aus dem Hinkampf kamen hinzu. Die Aalener hätten jetzt schon alle drei noch ausstehenden Kämpfe mit 4:0 gewinnen müssen, um noch den Gleichstand zu erreichen. Schon Ramsin Azizsir scheiterte an dieser Herausforderung. Zwar revanchierte sich der Aalener Mittelgewichtler für seine Hinkampf-Niederlage gegen Patric Nuding. Doch Azizsir schaffte es nicht, die nötigen elf Punkte Differenz zu sammeln, um einen technisch überlegenen Sieg zu feiern, der seinem Team vier Punkte beschert hätte.

    Die Lektion, die Arsen Julfalakyan dem Jungspund Pascal Eisele erteilte, war zwar eine 4:0 für die Aalener wert, doch das schmerzte die Mainzer nicht mehr. "Aus so einem Kampf kann ich viel lernen", sagte der 19-Jährige. "Mir hat das heute viel gebracht. Und jetzt freue ich mich auf das Halbfinale." Beim abschließenden 3:0-Sieg von Kiril Terziev feuerte nur noch der Mainzer Block seinen Mann an. Die Aalener Zuschauer waren schon lange verstummt.

    Nach dem letzten Gong lagen sich die Mainzer in den Armen. Anton Nuding aber schlich mit Tränen in den Augen über die Matte. "Da gibt's heute nichts zu sagen", verweigerte der Aalener Trainer jeden Kommentar. "Ich bin enttäuscht." Gert Adolphi

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