DM-Halbfinale - Pascal Eisele wurde mit Applaus von den Anhängern des ASV Mainz 88 empfangen, wurde geherzt und gedrückt. Dabei hatte der 19-jährige gerade den abschließenden Kampf in der ersten Halbfinalbegegnung um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft beim KSV Köllerbach verloren.
Eisele hatte gegen Konstantin Schneider keine Runde gewonnen, aber er hatte es geschafft, dass dieses Mattengefecht nur mit 1:0 für die Gastgeber gewertet wurde. Statt mit einer 17:21-Niederlage gehen die 88er so nur mit einem knappen 17:19 in den Rückkampf am Freitag, 19.30 Uhr, in der Mombacher Sporthalle "Am großen Sand." Das lässt noch alle Möglichkeiten offen.
Chance im Rückkampf nutzen
"Das war ein ganz wichtiges Ding am Schluss", lobte ASV-Cheftrainer Baris Baglan Eiseles Einsatz. "Dadurch, dass wir den Kampf hinten heraus so knapp gestalten konnten, ist die Chance da, die wir im Rückkampf nutzen wollen. In Mombach werden wir um jeden Meter auf der Matte fighten."
Gar nicht zufrieden war das Köllerbacher Publikum mit Schneider. Der hatte als aktiverer Ringer in der dritten Runde die Wahl, ob er in Ober- oder Unterlage gehen wollte. Er entschied sich für die Unterlage, was einige KSV-Fans mit Pfiffen quittierten. Denn da schon die ersten beiden Durchgänge ohne Wertung ausgegangen waren, und Eisele nur verloren hatte, weil er den am Boden liegenden Gegner nicht entscheidend bewegen konnte, verzichtete Schneider damit auf den (eingeplanten) 3:0-Sieg und begnügte sich mit einem 1:0.
"Er hätte es probieren können", sagte Eisele. "Aber es wäre eine Risikoentscheidung gewesen. Wahrscheinlich hatte er schon zu viel Kraft verloren."
Eisele war eine der positiven Überraschungen aus Sicht der Mainzer. Der 3:1-Sieg von Kenan Gör im Halbschwergewicht zählte auch dazu. Oder auch die zwei Runden, die Suhrab Atalay gegen Andrei Dukov mitnahm. Statt des erwarteten 3:0-Sieges brachte Kiril Terziev vier Punkte auf die Habenseite der 88er, weil er Alexander Geid in der zweiten Runde auf die Schultern zwang. Zu alter Stärke zurückgefunden hat Davyd Bichinashvili, der den erhofften 3:0-Sieg einfuhr. Daigoro Timonchini nahm den ungeschlagenen Heiki Nabi immerhin eine Runde ab.
Nicht alles lief nach Wunsch
Doch es lief für die 88er beileibe nicht alles nach Wunsch. "Wir haben ein, zwei Federn gelassen", räumte Baglan ein. Am härtesten traf die Mainzer die (Heim-)Niederlage von Jurij Kohl. Dass der Ex-Köllerbacher bei seinem alten Verein vor einer schweren Aufgabe stehen würde, war bekannt. Erwartet worden war ein enger Kampf zwischen Kohl und Venelin Venkov. Vielleicht mit dem besseren Ende für den Mainzer Routinier, schlimmstenfalls mit einer knappen Niederlage des 36-Jährigen. Doch der 88er verlor glatt 0:3.
Die erste Runde konnte man noch mit Pech abtun. Kohl musste in die Bodenlage, wurde ausgehoben. Venkov erhielt dafür eine Dreierwertung. Der Mainzer machte zwar auch noch drei Punkte, doch die höhere Wertung entschied gegen ihn. Da sah es aber noch so aus, als ob Kohl die nötigen Aktionen noch zeigen könnte. Im zweiten und dritten Durchgang lagen alle Vorteile auf seiner Seite. Der Mattenleiter honorierte jeweils nach anderthalb Minuten seine aktivere Rolle. Kohl durfte beide Male wählen und entschied sich für die Oberlage. Das hätten im Federgewicht sichere Rundengewinnen sein sollen. Doch im zweiten Durchgang ließ sich Kohl auskontern, im dritten geriet er beim Versuch, eine Wertung zu machen, aus dem roten Bereich der Matte.
Schlüsselszene lässt Kampf kippen
Eine unerwartete Niederlage kassierte Seyran Simoyan. Nach gewonnener erster Runde ließ sich der Russe im zweiten Durchgang auskontern. "Das war die Schlüsselszene", sagte der Mainzer Trainer. "Danach ist der Kampf gekippt." Simonyan fehlte die Kraft, seinen Gegner noch einmal in Bedrängnis zu bringen. George Bucur holte zwar den erwarteten Sieg. Doch der fiel nicht so deutlich aus, wie es sich die 88er erwünscht hatten. Der Köllerbacher Martin Daum erwies sich im Leichtgewicht als zäher Gegner und nahm dem 88er zwei Runden ab. Doch noch ist alles offen. "Wir freuen uns auf die Festspiele in Mombach", sagte Baglan. "Dort wird es noch einen heißen Tanz geben."
Gert Adolphi
Statistik
KSV Köllerbach - ASV Mainz 88 19:17
55 (F): Andrei Dukov 3:2-Punktsieg gegen Suhrab Atalay (1:0, 1:0, 0:1, 1:1, 1:0); 3:2; 120 (G): Heiki Nabi 3:1-Punktsieg gegen Daigoro Timonchini (2:0, 0:2, 1:0, 1:0); 6:3; 60 (G): Venelin Venkov 3:0-Punktsieg gegen Jurij Kohl (3:3, 2:0, 1:0); 9:3; 96 (F): Pavlo Oliynik 1:3-Punktniederlage gegen Kenan Gör (1:0, 1:1, 0:2, 1:1); 10:6; 66 (F): Martin Daum 2:3-Punktniederlage gegen George Bucur (3:0, 1:0, 0:5, 2:2, 0:1); 12:9; 84 (G): Jan Fischer 3:0-Punktsieg gegen Patric Nuding (1:0, 1:0, 1:0); 15:9; 66 (G): Tomasz Swierk 3:1-Punktsieg gegen Seyran Simonyan (0:1, 2:0, 1:0, 1:0, Passivitätsverwarnung); 18:10; 84 (F): Konstantin Völk 0:3-Punktniederlage gegen Davyd Bichinashvili (0:1, 0:2, 0:1);18:13; 74 (F): Alexander Geid Schulterniederlage gegen Kiril Terziev nach 42 Sek. (0:4);18:17; 74 (G): Konstantin Schneider 1:0-Punktsieg gegen Pascal Eisele (1:0, 1:0, 1:0); 19:17.