Nur ein kleiner Schritt für den ASV 88 bis zum großen Finale

Die Ringer des ASV Mainz 88 erwarten am Freitagabend (20.30 Uhr) in der Mombacher Halle den KSV Köllerbach zum spannenden Halbfinal-Rückkampf. Die Mannschaft von Trainer Baris Baglan muss einen 2-Punkte-Rückstand aus dem Hinkampf aufholen.

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    Wie eine Wand stehen die 88-Fans in der proppenvollen Mombacher Halle hinter der Mannschaft. Foto: Harry Braun

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    Tahir Zaidov eröffnet den Halbfinal-Rückkampf gegen den KSV-Köllerbach. Der 88-Athlet könnte die Halle mit einem Sieg sofort auf Betriebstemperatur bringen und das Selbstbewusstsein des ASV anschieben. Foto: Harry Braun

    (Foto: Harry Braun)

Nur noch ein kleiner Schritt fehlt, dann stehen die Ringer des ASV Mainz 88 zum ersten Mal seit 1977 wieder im Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

Zwar stehen die Vorzeichen umgekehrt wie im Viertelfinale. Da fuhren die 88er mit einem Drei-Punkte-Polster zum KSV Aalen, jetzt hat der KSV Köllerbach einen Zwei-Punkte-Vorsprung vor dem Rückkampf am Freitag um 20.30 Uhr. Doch die Zuversicht bei den Mainzern ist groß, diesen Rückstand in ihrer stimmungsvollen Arena, die in der Mombacher Sporthalle "Am großen Sand" aufgebaut ist, wettzumachen und die Saarländer aus dem Wettbewerb zu werfen.

"Obwohl in Köllerbach nicht alles rund gelaufen ist, haben wir es verstanden, die Niederlage in Grenzen zu halten", sagt Baris Baglan. "Das könnte ein riesiges Plus im Rückkampf sein." Die Zuversicht des ASV-Cheftrainers ist keine leere Parole. Die guten Aussichten der 88er lassen sich mit Fakten belegen. Im Leicht-, Welter- und Mittelgewicht werden Kämpfe in beiden Stilarten ausgetragen. Diese sechs Duelle fanden somit auch schon im Hinkampf statt. In diesem Segment der Begegnung holten die Mainzer 11:9 Punkte. Natürlich könnte es auch in diesen Klassen zu Umbesetzungen kommen. Das ist aber eher unwahrscheinlich, da kein Verein im Hinkampf pokerte, um einen Trumpf in der Hinterhand zu haben. Da stand die momentane Bestbesetzung auf der Matte.

Schultersieg zu verteidigen

Im Weltergewicht könnten die Köllerbacher theoretisch immerhin ein, zwei Punkte gut machen. Ein, zwei Punkte könnte der KSV immerhin gutmachen, da Kiril Terziev im Hinkampf einen Schultersieg feierte, also 4:0 Punkte zu verteidigen hat. Was könnte ansonsten noch anders laufen in diesen letzten sechs Kämpfen? Möglicherweise gelingt es Pascal Eisele nicht noch einmal, gegen Konstantin Schneider nur 0:1 zu verlieren. Ein 0:3 ist möglich. Andererseits haben aber auch die Mainzer in diesem Bereich noch Steigerungsmöglichkeiten.

Warum sollte George Bucur mit den Fans im Rücken gegen Martin Daum erneut zwei Runden abgeben? Seyran Simonyan wird auf eine Revanche für seine 1:3-Niederlage brennen, falls er überhaupt zum Einsatz kommt. Rund vier Punkte könnten die Köllerbacher in diesen sechs Kämpfen gutmachen, die Mainzer aber ebenso viele.

Ein klares Plus

Also wird die Entscheidung in den zwei leichten und den beiden schweren Klassen fallen. Liridon Avdyli trat in sieben der acht Fliegengewichtskämpfe des klassischen Stils in der regulären Bundesliga-Runde und im Viertelfinal-Rückkampf an. Nur zweimal gewann Avdyli in der Bundesliga auf der Matte, einmal hatte er keinen Gegner. Zum Rückrunden-Auftakt in Köllerbach verlor Avdyli auch deutlich gegen den Mainzer Tahir Zaidov. Theoretisch könnte in dieser Klasse auch Venelin Venkov beim KSV auflaufen. Er wäre der gefährlichere Gegner. Doch Venkov brachte am Montag 61,5 Kilo auf die Waage. Er müsste sein Gewicht bis Freitag auf 57 Kilo reduzieren. Selbst wenn er es schafft, kostet das eine Menge Kraft. In diesem Mattengefecht haben die 88er ein klares Plus.

Diesem Kampf kommt besondere Bedeutung zu, weil er die Begegnung eröffnet. Ein Sieg Zaidovs würde die Halle auf Betriebstemperatur bringen und dem Selbstvertrauen der ASV-Ringer einen Schub geben. Im Freistilkampf des Federgewichts wird es voraussichtlich zum Duell zwischen dem Mainzer Atmir Khromov und Naranbaatar Bayaraa kommen. Der Köllerbacher ist ein absoluter Siegringer. Er gewann in der regulären Runde fünf von sieben Kämpfen. Doch gegen Khromov war Bayaraa am Rande einer Niederlage. Der 88er hatte die ersten beiden Runden gewonnen, musste dann aber wegen einer Verletzung aufgeben.

Ein As im Schwergewicht

Im Halbschwergewicht ist bei den 88ern Daigoro Timonchini gesetzt. Bei den Köllerbachern trat in dieser Klasse bislang ausschließlich Björn Holk an. Seine Bilanz in der Bundesliga ist mit 5:3 gut, aber nicht überragend. In der Punkterunde gewann Timonchini gegen Holk mit 3:0 Runden. Doch der KSV hat noch den Ex-Mainzer Jimmy Lidberg in der Hinterhand. Der 29-jährige Schwede war 2000 Junioren-Vizeweltmeister und wurde zweimal Zweiter bei Europameisterschaften (2005, 2007). Er wäre für Timonchini der härtere Brocken. Ein absolutes Ass besitzen die Köllerbacher im Schwergewicht. Dimitar Kumchev errang fünf Siege in sieben Bundesliga-Kämpfen.

Ganz gleich, ob er auf Stefan Kehrer oder Kenan Gör trifft, dürfen sich die 88er hier bestenfalls Rundengewinne, aber keinen Sieg erhoffen. Auch in diesen vier Mattengefechten hat der ASV einen kleinen Vorteil. "Grau ist alle Theorie", kommentiert Baglan solche Überlegungen. "Es wird die eine oder andere Überraschung geben. Es gibt offene Kämpfe. In denen werden wir versuchen, das Maximum herauszuholen. Wir, das Team, die Trainer und der ganze Verein, glauben fest daran, dass wir das Ding noch biegen."

Gert Adolphi

Die Mainzer Rhein-Zeitung bietet wieder einen ausführlichen Liveticker an. Nach dem Wiegen werden die Paarungen der einzelnen Kämpfe und Tipps veröffentlicht. Ab 20.30 Uhr wird nach jeder Runde der Zwischenstand aktualisiert. Der Link: http://ku-rz.de/ringen

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