Routinier Kohl: Für eine Explosion hat es noch gereicht

Letzter Kampf? Jurij Kohl hört Ende der Saison auf jeden Fall auf.

  • Wenn die 88er ins Halbfinale kommen, dann hat der 36-jährige Federgewichtler Jurij Kohl (mit Stirnband) seinen letzten Kampf auf jeden Fall noch vor sich. Foto: Archiv/Braun

    (Foto: mrz)

Jurij Kohl kniete auf der Matte und warf Kusshände ins Publikum. Der 36-Jährige verbeugte sich und senkte den Kopf, als ob er den Boden küssen wollte. Gerade hatte der Mainzer Federgewichtler in vier Runden Stig-André Berge besiegt. Es war eine Mischung aus Dank an die Zuschauer für die lautstarke Unterstützung und völliger Entkräftung, die Kohl länger auf den Knien verharren ließ.

"Das hat mich viele Körner gekostet", räumte Greco-Spezialist ein. "Das war der erste Gegner, der mir körperlich und konditionell überlegen war. Es wird Zeit aufzuhören. Ich musste heute über meine Verhältnisse kämpfen."

Berge hatte Kohl in der ersten Runde in die Bodenlage geschickt. Doch die Punkte machte der Mainzer. "Es war natürlich klar, dass er seine Spezialtechnik einsetzen würde", sagte Kohl. "Es ist mir gelungen, sie abzuwehren." Den zweiten Durchgang gewann der 88er mit einer Wertung im Stand. In der dritten Runde wählte der Norweger die Bodenlage. Alle Bemühungen Kohls, ihn zu drehen, scheiterten.

Mit dem gleichen Rezept wollte Berge auch den 2:2-Ausgleich erzwingen. Doch diesmal fand Kohl ein Mittel und machte die entscheidenden Punkte. "Das war als Obermann eine Verzweiflungsaktion von mir", sagte der 88er. "Das war überhaupt nicht meine Spezialtechnik. Damit hat er nicht gerechnet. Ich hatte keine Kraft mehr, aber für eine Explosion hat es noch gereicht."

Am Ende dieser Saison wird Kohl seine Karriere beenden. Maximal noch zwei Kämpfe wird er bestreiten, in der Vorschlussrunde und im Finale, falls die 88er so weit kommen. Deshalb die Huldigung an das Publikum. "Es war sehr emotional für mich", sagte der ASV-Routinier, "weil ich jederzeit damit rechnen muss, dass es mein letzter Kampf ist. Man spürt, dass da viel von den Zuschauern rüberkommt. Diese Stimmung ist einmalig in der Bundesliga. Deswegen bin ich nach Mainz gekommen." Und mit seinem Sieg hat Kohl alles dafür getan, dass er noch einmal vor seinem Publikum antreten darf. Gert Adolphi

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