88er wollen erneut in Play-offs

Neue Führung - Die abgelaufene Runde hat beim ASV Mainz 88 Lust auf mehr geweckt. Ohne klar formuliertes Ziel in die Bundesligasaison gestartet, scheiterten die Ringer erst im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft denkbar knapp.

  • Lenken nach dem Ausstieg des bisherigen Vorsitzenden Eckhart Pick (3.v.r.) die Geschicke des ASV Mainz 88: (v.l.) Heinz Meyer, Andreas Schmitt (beide Zweite Vorsitzende), Beisitzer Michael Abdollahnia, Vorsitzender Tolga Sancaktaroglu, Sportlicher Leiter Baris Baglan, Schatzmeister Roman Pavlik. Foto: Harry Braun

    (Foto: Harry Braun)

Für die kommende Runde bekennen sich die 88er zu ihren Ambitionen. Das machte der neu gewählte Vorstand bei der Vorstellung seines Konzepts für die zweijährige Amtszeit deutlich.

"Wenn es geht, wollen wir wieder in die Play-offs kommen", sagte Tolga Sancaktaroglu, der neue Vorsitzende. "Das geht nur mit der Unterstützung der kompletten Mitgliedschaft." Baris Baglan, der als Sportlicher Leiter jetzt ebenfalls dem Vorstand angehört, liegt auf der gleichen Linie. "Die Play-offs waren eine tolle Erfahrung. Wir wissen, wie schwer es wird, diese Erfolge zu wiederholen", sagte der Cheftrainer. "Wir wollen aber wieder Play-off-Luft schnuppern. Wirtschaftlich ist es auch schön, wenn die Halle voll ist. Die Konkurrenz gibt Gas und geht offensiv vor. Die Liga wird von Jahr zu Jahr stärker.

Bodenständig bleiben

Sancaktaroglu konnte sich noch kein umfassendes Bild von der finanziellen Situation des Vereins verschaffen, sein erster Eindruck ist aber, dass er vom bisherigen Vorsitzenden Eckhart Pick einen gesunden Verein übernommen hat. Dass die Aufwendungen zur Erreichung der sportliche Ziele nicht die Existenz der 88er gefährden dürfen, machte Baglan deutlich. "Wir werden unsere Marschrichtung beibehalten und bodenständig bleiben", sagte der Sportliche Leiter. "Wir werden finanziell in Absprache mit Tolga nur Sprünge machen, die möglich sind."

Kader soll bis Ende Mai feststehen

Wie die neue Mannschaft aussehen wird, ist noch offen. Klar ist nur, dass Publikumsliebling Jurij Kohl, zu Baglans Bedauern, seine Karriere beendet hat. Dass Davyd Bichinashvili - er ist Lehrer auf dem Lerchenberg - auch in der kommenden Saison für die 88er auf die Matte gehen wird, ist wahrscheinlich. Doch Vollzug konnte oder wollte der neue Vorstand noch bei keinem Athleten melden. "Es gibt eine Entwicklung, aber noch keine Ergebnisse", sagte Baglan. "Wir haben aber eine gute Ausgangsposition, weil wir es in der vergangenen Saison geschafft haben, eine harmonische Mannschaft aufzustellen." Erst Ende Mai wird der Kader wohl endgültig stehen.

Wie die Bundesliga aussehen wird, wenn die Runde im Spätsommer startet, liegt nicht im Ermessen der Mainzer. Nach dem angekündigten Rückzug weiterer Mannschaften droht die Klasse erneut zu schrumpfen. "Daran muss der Deutsche Ringerbund noch arbeiten", erklärte Baglan. "Wir wollen möglichst schnell Klarheit haben, weil wir unsere Planungen daran ausrichten müssen. Ich gehe von einer zweigleisigen Liga aus."

Sancaktaroglu will Bekanntheitsgrad des Vereins erhöhen

Eine Absage erteilte der Sportliche Leiter möglichen Zweitligaambitionen der Zweiten Mannschaft, die in der abgelaufenen Runde nur knapp am Einzug in die Aufstiegsrunde gescheitert war. "Der Leistungsunterschied zwischen Oberliga und Zweiter Bundesliga ist immens", sagte Baglan. "Ob das unsere jungen Ringer weiterbringen würde, ist fraglich."

Für Sancaktaroglu ist der Hochleistungssport nur eines von mehreren Zielen, die er verfolgen will. "Wir wollen die Zahl der Mitglieder und unseren Bekanntheitsgrad erhöhen", sagte der neue Klubchef. "Es ist schade, dass wir als einer von zwei Erstligisten neben den 05ern in Mainz eher weniger bekannt sind. Deshalb wollen wir ein etwas aggressiveres Marketing betreiben. Außerdem wollen wir unser Engagement bei der Jugend vorantreiben."

Etwas mehr als 30 Kinder und Jugendliche trainieren derzeit bei den 88ern. 25 von ihnen besuchen Wettkämpfe. "Ringen ist eine hervorragende Sportart, um die Muskeln der Kinder zu schulen und Übergewicht vorzubeugen", sagte Sancaktaroglu, der als Orthopäde Fachmann auf diesem Gebiet ist. "Außerdem werden Aggressionen in die richtigen Bahnen gelenkt. Wir wollen den Ringersport in die Bevölkerung bringen."

Gert Adolphi

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